Wir sind das Volk!

Vor kurzem wurde im Internet ein weiterer offener Brief unter dem Titel „Wir sind die Urheber!
Gegen den Diebstahl geistigen Eigentums“ veröffentlicht. In diesem offenen Brief mischen sich erneut Künstler in die Debatte um das Urheberrecht ein. Aber mehr als ein flacher Marketing Gag kommt auch dieses mal nicht dabei rum, denn schon auf den ersten Blick fällt auf der großteil der Unterzeichner war bisher und wird auch in Zukunft nicht von massenhaften Urheberrechtsverletzungen betroffen sein.

Aber auch der Inhalt ist meiner Meinung nach eher das festhalten an alten Beschränkungen als eine gute Argumentation für das Urheberrecht. Aber analysieren wir einfach mal den ganzen Text:

 „Mit Sorge und Unverständnis verfolgen wir als Autoren und Künstler die öffentlichen Angriffe gegen das Urheberrecht.“

Angriffe gegen das Urheberrecht? Geht es nicht eher gegen ACTA bzw gegen das Urheberrecht als Institution, zu der Abmahnwellen und Vereine wie die Gema gehören? Aber scheinbar kann man heut zu Tage politische Statements nur noch auf einer Ebene der Angst veröffentlichen.
Das Urheberrecht ist eine historische Errungenschaft bürgerlicher Freiheit gegen feudale Abhängigkeit, und es garantiert die materielle Basis für individuelles geistiges Schaffen.

Also unter historischen Errungenschaften verstehe ich eher die Werke von Platon, Aristoteles und Co. Aber waren im Feudalismus nicht sowieso die Bauern von Ihren Grundherren abhängig, so wie es beim klassischen Urheberrecht die Urheber von den Verwerten sind? Denn irgendwie verdienen doch die Verwerter an der Arbeit der Künstler, so wie es damals der Grundherr von der Arbeit der Bauern lebte?

Der in diesem Zusammenhang behauptete Interessengegensatz zwischen Urhebern und „Verwertern“ entwirft ein abwegiges Bild unserer Arbeitsrealität. In einer arbeitsteiligen Gesellschaft geben Künstler die Vermarktung ihrer Werke in die Hände von Verlagen, Galerien, Produzenten oder Verwertungsgesellschaften, wenn diese ihre Interessen bestmöglich vertreten und verteidigen. 

Jedoch behaupte ich hier mal, dass es den großen Organisatoren eher um die eigenen Interessen geht als um die der eigenen Klienten. Wie kann man sonst erklären, dass Unternehmen wie Sony sich bei der Gema über die sperren bei Youtube beschweren (natürlich ist die Gema nicht direkt für diese Sperren verantwortlich, sondern eher die generelle Gefahr wegen sämtlichen Urheberrechtsverletzungen abgemahnt zu werden)
Ansonsten stimmt die Argumentation an diesem Punkt natürlich.  Denn wenn man im klassischen Sinne arbeitet ist man auf jeden Fall auf den „Verwerter“ angewiesen.

Die neuen Realitäten der Digitalisierung und des Internets sind kein Grund, den profanen Diebstahl geistigen Eigentums zu rechtfertigen oder gar seine Legalisierung zu fordern.

Geistiges Eigentum kann nicht gestohlen werden. Genau so wenig wie man Gedanken oder Ideen stehlen kann. Es handelt sich dabei um eine Kopie.

Im Gegenteil: Es gilt, den Schutz des Urheberrechts zu stärken und den heutigen Bedingungen des schnellen und massenhaften Zugangs zu den Produkten geistiger Arbeit anzupassen.

Das ist ein Punkt, der mich bei ACTA schon extrem gestört hat. Man möchte hier nur die Vorteile nutzen aber die Nachteile einfach verbieten lassen. Denn gerade dieser schnelle und massenhafte Zugang generiert in einer globalisierten Welt und gerade bei Urheberrechts Erzeugnissen den größten Umsatz. Verkauft nicht Amazon mittlerweile mehr Bücher etc als es Buchhandlungen jemals könnten. Am besten man verbietet den Leuten auch noch den Gebrauchtwarenhandel von Urheberrechtserzeugnissen.

Das Urheberrecht ermöglicht, dass wir Künstler und Autoren von unserer Arbeit leben können und schützt uns alle, auch vor global agierenden Internetkonzernen, deren Geschäftsmodell die Entrechtung von Künstlern und Autoren in Kauf nimmt. Die alltägliche Präsenz und der Nutzen des Internets in unserem Leben kann keinen Diebstahl rechtfertigen und ist keine Entschuldigung für Gier oder Geiz.

Schon lustig, dass man mich als Kunden an dieser Stelle als Gierig und Geizig verunglimpft. Zumal ich bisher eher gar nicht vor den großen bösen Internetkonzernen geschützt werde. Im übrigen ermöglicht nicht das Urheberrecht den Künstlern und Autoren von deren Arbeit zu leben, sondern ich als wohlwollender Kunde, der die Produkte kauft. Und das die bösen Internetkonzerne hier auch noch einer Verkaufsförderung betreiben wird auch einfach völlig außen vor gelassen, denn wie soll ich etwas kaufen, was ich gar nicht kenne? Im übrigen denke ich eher, dass die Kreativität und die geistige Schöpfung durch den schnellen und massenhaften Zugang eher gefördert werden. Denn es war noch nie so einfach geistiges Eigentum zu schaffen, wie derzeit zu Zeiten des Internets.

Vielleicht sollte man es einfach wieder so halten wie im 18ten Jahrhundert.
Und akzeptieren, dass die Gedanken jedes einzelnen Frei sind.

http://www.heise.de/Urheberdiskussion

Acta ist uncool

Auszug aus der Mailingliste einer Kölner Partei

ACTA als Buzzword zieht nicht mehr. Schuld dafür sind auch Headlines & Artikel wie dieser:
http://heise.de/-1568070
vielmehr sollte der Fokus ausgeweitet und Generalisiert werden. Man könnte auch sagen: Explizit gegen ACTA zu demonstrieren ist nicht mehr „In“ oder „zieht keine mediale Aufmerksamkeit“ mehr.

Erinnern wir uns mal zurück an die erste Demo gegen ACTA.  Kurz zuvor kam aus Berlin die Meldung, dass Deutschland ACTA nicht unterzeichnen würde. Einen Tag nach der Demo an der Europaweit hunderttausende Menschen teilgenommen hatten wurde diese Nachricht sozusagen revidiert. Die Teilnehmerzahlen der Proteste wurden heruntergespielt. In der EU-Komission wurde sogar von einer undemokratischen Protestkultur gesprochen.  Damals fragten wir uns mit vielen anderen Organisatoren, was an angemeldeten Demonstrationen, denn bitte undemokratisch sei. Und als Reaktion auf diese und weiter Meldungen aus Politik und Wirtschaft entschlossen wir uns dazu einen weiteren Protesttag zu gestalten.
Bei der zweiten Protestwelle, stagnierten die Teilnehmerzahlen in einigen Städten. Und in den Medien wurden wieder und wieder Meldungen veröffentlicht, dass aufgrund der großen Proteste ACTA wahrscheinlich nicht ratifiziert werden würde. Insgesamt wurde ACTA also wie fälschlicherweise angenommen noch nicht abgelehnt. Denn die Abstimmung im EU-Parlament findet voraussichtlich erst im Juli statt. Im Petitionsausschuss, welcher heute tagte, wurde ebenso deutlich, dass die Verantwortung bezüglich ACTA nicht im Bundestag liegen würde, sondern beim Europäischen Parlament.
Insgesamt kann man also sagen, dass ACTA unpopulärer ist als jemals zuvor. Jedoch bezieht sich dies unpopularität nicht auf die Proteste gegen ACTA sondern auf das Abkommen als solches. Denn kurz vor den Landtagswahlen wird sich keine Deutsche Partei die Hände daran schmutzig machen.
Und deshalb werden wir am 12.05 in ganz NRW wieder gegen ACTA auf die Straße gehen. Denn selbst wenn ACTA als solches tatsächlich abgelehnt werden würde, geht es uns als Veranstalter gar nicht um das Abkommen als solches. Darum ging es uns nie. Für uns geht es darum, dass große Teile der Bevölkerung kriminalisiert werden sollen. Ob es in ACTA, IPRED, INDECT oder sonst etwas ist. Es kann nicht sein, dass das Motto der EU-Kommission „Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser“ ist. Denn meiner Meinung nach basiert die dort geleistete Arbeit auf Vertrauen und nicht auf Kontrolle. Ansonsten wäre dort einiges mehr an Transparenz nötig.
Ich hoffe wir sehen uns am 12.05 bzw am 09.06, wenn wir erneut gegen das Symbolische Anti Counterfeiting Trade Agreement auf die Straße gehen. Und wer weiß vielleicht haben wir ja nächstes Jahr schon ein überarbeitetes Urheberrecht.

 

http://irights.info/?q=content/geheimprotokoll-zu-acta-wie-umgehen-mit-der-zivilgesellschaft

http://www.tagesschau.de/ausland/acta204.html

http://netzpolitik.org/2012/acta-anhorung-im-deutschen-bundestag/

http://philippe-wampfler.com/2012/01/30/acta-kurz-erklart/