Leistungsschutzrecht

Mit dem Leistungsschutzrecht hat die Schwarz-Gelbe Regierung nun ein weiteres Wahlversprechen verabschieden können.
Nun wird sich zeigen, wie lange es dauert, bis Google die Newsseite einstampft und die entsprechenden Pressevertriebe anfangen Geld für die ehemals kostenlose Werbung bezahlen.

Advertisements

Dinosaurier Filmindustrie – Raubkopie als Marketinginsturment

Folgendes Zitat ist ein Auszug aus der von Kenneth Arrow 1971 veröffentlichten Arbeit.

For the purchaser the value of information „… is not known until he has the information, but then he has in effect acquired it without cost.“

S. 148 Economic Welfare and the Allocation of Resources for Invention. In Economics of Information and Knowledge

Dabei geht es in erster Linie um den Wert einer Information. So ist für den Interessenten der Wert der Information die er erwerben möchte erst dann bekannt, wenn er diese Information vollständig besitzt. Wenn er die Information jedoch besitzt, dann wird er nicht mehr bereit sein für diese Information den vollen Preis zu zahlen.
Zwar stammt dieses Paradoxon aus dem Jahre 1971, jedoch würde sicherlich jeder befragte diesem Paradoxon weiterhin zustimmen. Und somit zu dem Schluss kommen, dass der Käufer dem Anbieter von Informationsgütern immer im Nachteil ist.  Denn er muss sich auf die Angaben des Verkäufers verlassen, dass er die Information auch zu einem angemessenen Preis anbietet oder das die Information überhaupt den vom Käufer gewünschten Inhalt bzw. Umfang hat.
Diesen Informationsunterschied nennt man auch Informationsasymmetrie. Eine Informationsasymmetrie tritt überall dort auf, wo eine Marktseite besser über das Gut informiert ist als die andere. Eine Informationssymmetrie beschreibt hingegen das genaue Gegenteil der Asymmetrie, sprich Anbieter und Interessent besitzen genau den gleichen Kenntnisstand über das angebotene Gut.  Jedoch ist in der freien Marktwirtschaft die Informationssymmetrie ein Zustand, den der Anbieter in der Regel nicht erlangen möchte, denn Informationssymmetrie würde bei einer Software z.B. auch die Offenlegung des Quellcodes verlangen und zwar so das der Käufer in Zukunft fähig wäre, die Software selbst herzustellen. Daher beschreibt Arrow auch Instrumente, mit denen die Informationsasymmetrie abgebaut werden kann. Diese Instrumente beziehen sich auf die Erfahrungs-, Vertrauens- und Sucheigenschaften anhand derer der Kunde ein Produkt finden oder bewerten kann.

Nun würde in der heutigen vernetzten Welt kaum jemand noch die „Katze im Sack kaufen“. Weshalb sich Seiten wie Amazon, youtube oder Google die Instrumente zum Abbau von Informationsassymmetrien zu nutze machen. Oder Anbieter auch direkt auf Ihren Internetseiten dinge wie Demos, Vorabversionen, Kundenbewertungen oder auch Testsiegel veröffentlichen.

Jetzt wird jedoch jeder der einmal einen Song auf Youtube gehört hat und diesen anschließend erworben hat sagen:“Ich habe den Song gehört, kannte ihn daher und habe mir anschließend trotzdem das Album zum vollen Preis gekauft.“Weshalb man sich mittlerweile darauf geeinigt hat, dass Arrows-Paradoxon in der ursprünglichen Form nicht mehr gelten kann. Da neben dem schlichten kennen der Information noch einige andere Faktoren die Zahlungsbereitschaft des Kunden bestimmen.
So hat z.B. eine Studie der Goethe Universität  das Pay-What-You-Want-Konzept getestet und dabei nachgewiesen, dass auch dann ein Preis für eine Dienstleistung oder Produkt bezahlt wird, wenn die Leistung auch kostenlos erbracht wurden wäre.

Eine ganze Branche wehrt sich jedoch weiterhin gegen das überarbeitete Paradoxon.
Und auf den ersten Blick hat die Argumentation dieser Branche auch Hand und Fuß. So ist ein „Raubkopierer“ jemand der einen Film, ein Musikstück oder ein Programm noch nicht kennt und sich dieses dann „kostenlos“ beschafft. Nun kennt er den Inhalt bzw. die Information des Gutes und wird dafür nicht mehr den eigentlichen Wert bezahlen.

Das der Ablauf in vielen Fällen jedoch ähnlich wie bei dem Pay-What-You-Want Modell ist hat kürzlich die Ludwig-Maximilians-Universität in München in Kooperation mit der Copenhagen Business School in einer Studie herausgefunden. So wurden die Einnahmen von Kinofilmen vor und nach der Schließung von Megaupload untersucht.

Megaupload.de.

Und dabei wurde anschließend festgestellt, dass die Einnahmen von kleineren Kinoproduktionen nach der Schließung von Megaupload deutlich einbrachen, was die Autoren damit begründen, dass kleinere Produktionen in der Vergangenheit von der Mundpropaganda der Filesharer profitierten. Natürlich spielten sicherlich noch andere Faktoren für die Einbusen ein Rolle. Jedoch ist diese neue Studie ein weiteres Indiz dafür, dass „Filesharing“ in Zukunft auch gezielt zum Abbau von Informationsasymmetrien genutzt werden könnte. So machen sich Plattformen wie Youtube die „Mundpropaganda“ im Internet schon jetzt zu nutze.
Erst vor kurzem wurde das Video „Gangnam Style von Psy“ zum erfolgreichsten Internetvideo aller Zeiten und landete trotz der kostenlosen Verfügbarkeit in mehreren Ländern auf Platz 1 der Single Charts. (Das Lied wurde also mit anderen Worten auch kommerziell ein Riesen Erfolg.)
In Zukunft sollte man sich also auch in einer der größten Branchen für Informationsgüter die Frage stellen, ob man an weiterhin an einem mehr als 40 Jahre alten Paradoxon festhält. Oder ob man es in Zukunft mit neuen Marketinginstrumenten probiert und auf strengere Regularien durch die Politik verzichtet.

Natürlich kann man aber auch den Weg der Deutschen-Presse einschlagen und zukünftig Geld für ehemals kostenlose Werbung aus dem Fenster schmeißen.

IGEL – eine weitere Schnapsidee

Seit 2009 Fordern Deutsche Zeitungsverleger ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger. Ende 2011 gab es sogar ein Statement von Angela Merkel dazu. Ende 2011 sagte sie auf einem Zeitungskongress des BDZV folgendes zu dem Thema:
„Verlegerische Leistungen kosten Zeit und Geld. Deswegen kann ich auch gut verstehen, dass ein Leistungsschutzrecht für Verleger gefordert wird. Deshalb arbeitet die Bundesregierung derzeit an einem Gesetzentwurf, der das Urheberrecht weiter an die Anforderungen einer modernen Informationsgesellschaft anpassen soll. Wir haben es nicht vergessen; es wird vorangetrieben. Wir streben eine ausgewogene Regelung an, die den berechtigten Interessen aller Beteiligten Rechnung trägt.“

Doch was Fordern die Zeitungsverleger eigentlich?
Eigentlich möchten Sie ähnliche Rechte wie die Gema. Es geht darum, dass Leute die kostenlose Onlineartikel kommerziell nutzen zur Kasse gebeten werden. Als Beispiel verwenden die Verleger die Googlenews Seite, welche alle möglichen Pressemitteilungen sammelt und verlinkt.

Dabei wird sich nun jeder der Googlenews kennt wundern, was das soll. Schließlich kopiert Googlenews nicht einfach irgendwelche Texte. Es wird lediglich auf die freiwillig zur Verfügung gestellten Artikel verlinkt. Sprich die Seiten werden eigentlich nur Promotet. Sprich wer sich für die Nachricht interessiert klickt auf die Seite und der Betreiber verdient Geld mit der geschalteten Werbung auf seiner Seite.
Was den Verlegern jedoch auch gegen den Strich geht ist, dass Google kurze Zusammenfassungen der Artikel zur Verfügung stellt. Diese sogenannten „Snippets“ sollen daher am besten auch Vergütet werden. Schließlich handelt es sich bei Textbausteinen ja auch um geistiges Eigentum.
Vielleicht sollte man an dieser Stelle erneut erwähnen, dass die Verleger nicht gezwungen werden Ihre Angebote kostenlos zur Verfügung zu stellen. Die Artikel werden schließlich durch das deutsche Urheberrecht geschützt. Selbst die Snippets werden in der Regel vom Seitenersteller selbst erstellt. Sogar das verlinken von Google kann man sperren lassen!

Da Frage ich mich persönlich natürlich wo ist das Problem? Wenn ich mich als Urheber von Onlineartikel ausgenutzt fühle, kann ich das Angebot doch einfach einschränken. Niemand zwingt mich dazu Artikel Online zu stellen, oder ein Vergütungsmodell auf meiner Seite einzuführen. Hier wird jedoch wieder eine Mentalität vieler Deutlich, welche jeglichen Vorteil mitnehmen wollen (in diesem Falle die „Laufkundschaft“ bzw die kostenlose Werbung) aber auf sämtliche Nachteile verzichten wollen (Hier ist wieder die Rede von Milliarden Gewinnen, die gemacht werden könnten – Milliarden Gewinne? Wie kann ich mit einem kostenlosen Angebot bitte Gewinn machen?)
Viel mehr geht es wohl wieder darum aus Scheiße Gold zu machen. Übrigens müsste ich für diesen Satz nach IGEL auch Geld bezahlen. Schließlich handelt es sich dabei um einen Snippet 😉 Oh wait sind snippets letztendlich nicht so etwas wie Zitate? Oder will man da ein Copyright auf Sätze einführen?

Naja wir werden sehen. Zwar heißt es im Koalitionsvertrag „Verlage sollen im Online-Bereich nicht schlechter gestellt werden als andere Werkvermittler. Wir streben deshalb die Schaffung eines Leistungsschutzrechts für Presseverlage zur Verbesserung des Schutzes von Presseerzeugnissen im Internet an.“  Aber auf Wahlversprechen sollte man ja in der Regel eh nicht all zu viel geben.

http://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsschutzrecht_für_Presseverleger

http://leistungsschutzrecht.info/hintergrund

Halt Stop – Alles bleibt so wie es ist!

Gestern veröffentlichte politisieren.at Auszüge aus einem Dokument des Vizepäsidenten des EU-Parlaments. Aus dem Dokument geht hervor, dass laut Wieland die Veröffentlichung des Vertragstextes zu einigen Problemen führen würde und das der Vertragstext daher erst nach der Ratzifizierung veröffentlicht werden sollte.  Als weiteren Grund gegen eine Veröffentlichung führt Wieland auf, dass an dem Dokument kein öffentliches Interesse bestehen würde.

Durch die Argumentation Wielands wird Deutlich, dass dort jemand trotz allem lieber mit dem Kopf gegen die Wand möchte, als einen Fehler ein zu gestehen. Wenn selbst Mitglieder des EU-Parlamentes schon mit Massiven Problemen nur beim veröffentlichen des Vertragstextes bestehen, dann werden diese sich sicher nicht einfach in Luft auflösen, wenn ACTA ratifiziert wurde.
Natürlich würde das einstellen von ACTA und das Aufsetzen eines neuen Vertrages wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, als die Überarbeitung des vorhandenen Vertragswerkes.  Aber wenn man von Anfang an alle Parteien einbezogen hätte und die Debatte von Anfang an öffentlich geführt hätte gäbe es nun das ganze Debakel nicht. Jedoch scheint es in der Politik allgemein verpönt zu sein eigene Fehler von sich aus einzugestehen. Nein, erst muss der öffentliche Druck steigen.  Und erst dann passiert auch etwas! Das hat man bei unserem Verteidigungsminister Herrn zu Guttenberg gesehen, das hat man bei unserem lieben Herrn Wullf gesehen, und dies sieht man nun ebenso bei Herrn Wieland bzw. der gesamten ACTA Debatte.
Sind unsere Politiker wirklich so fixiert auf Ihre eigene Unfehlbarkeit?

Unter folgendem Link sind die Auszüge und ein Kommentar von Eva Lichtenberger (Die Grünen) zu finden.
http://www.politisieren.at/eu_parlament_sagt_juristisches_gutachten_zu_acta_muss_geheimgehalten_werden.php